Mittwoch, 2. Juli 2014

"Niemand kann sehen, wie das Ende beginnt"


Die Musik wird immer lauter in meinen Ohren, alle sind betrunken, tanzen in unterschiedlichen Rhythmen. Es ist ihre einzigste Möglichkeit dem Druck der Realität zu entfliehen. Meine Freundin neben mir scheint auch schon ganz weggetreten zu sein denn sie kann kaum noch ihre Augen aufhalten. Ich sehe zu einem Freund von mir hinüber und gebe ihm ein Zeichen das er auf sie aufpassen soll ehe ich aufstehe und durch das Haus laufe. Ich werde in mehrere Gespräche verwickelt von denen die meisten nicht mehr als aus ein paar gemurmelten Worte bestehen. Irgendwann lasse ich mich einfach auf den Boden sinken und schließe die Augen. Versuche alles auszublenden. Keine Ahnung wie spät es ist, längst nach Mitternacht. Irgendwann merke ich wie mir jemand durch mein Haar streicht doch ich gehe nicht darauf ein. Irgendwann verschwindet die Berührung und ich schlage die Augen auf. Irgendwie bin ich überhaupt nicht geschockt darüber das er vor mir steht. Die Party besteht hauptsächlich aus den gleichen Leuten wie letztes Mal. „Du wirst Schmerzen haben und ich werde sie genießen“ sagt er leise aber nicht wirklich an mich gewandt und als er meinen geschockten Gesichtsausdruck bemerkt weiten sich seine Augen ein kleines bisschen. „Aber es wird dir helfen das verspreche ich dir“ Er lächelt ein wenig doch es entsteht eher eine Art Grimasse. Ich entziehe ihm meinen Arm und er zuckt kurz zusammen als hätte ich ihn geohrfeigt. „Nathan hat das immer geholfen“ jetzt ist seine Stimme kalt. „Ich kann mir nicht vorstellen das Nathan so etwas zugelassen hätte“ meine Stimme ist tonlos, dennoch merke ich wie ich kurz davor bin die Nerven zu verlieren. Nicht wegen des vielen Alkohols und auch nicht wegen des vielen Lärms und den tanzenden und betrunkenen Leuten um uns herum sondern wegen der Verlockung. Was wenn es wirklich hilft? Was wenn er die Wahrheit sagt in Bezug auf Nathan? Was wenn ich dadurch Nathan wieder näher komme. „Ich weiß du würdest alles dafür tun“ sagt er als hätte er meine Gedanken gelesen. „Du hast alle Zeit der Welt. Denk einfach darüber nach“ fügt er noch hinzu und lässt sich neben mich sinken. Er scheint auch nicht mehr ganz da zu sein doch ich denke, in dem Zustand ist er am ehesten er selbst. „Wieso?“frage ich ihn nach einer Weile während ich den Leuten zusehe wie sie immer weiter tanzen und sich den Verstand zudröhnen. „Ich will nicht mehr das du so bist und ich denke das ist die einzigste Möglichkeit das in den Griff zu kriegen“ kurz wende ich ihm meine ganze Aufmerksamkeit zu. „Niemand sonst weiß es oder?“ er sieht mich kurz überrascht an. Ich schüttle kurz den Kopf. „Ich kann dich wieder hinkriegen“ ein kleines Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht. Eine ganze Weile lang sehe ich ihn nur an bis die anderen kommen und uns mit auf die Tanzfläche ziehen wo wir alles vergessen aber vor allem uns selbst.

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